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Impuls DelphiW. Rehfus
Das Neue Delphi ist das aufgeklärte Delphi des sich gestaltenden dritten Jahrtausend. Das Neue Delphi ist die große europäische Kulturrevolution im Geiste des Humanismus und damit die zweite europäische Renaissance.
Um das geistig und seelisch erkrankte Europa des 20. Jahrhunderts zu überwinden und einen kulturellen Neuanfang zu finden, greift das Neue Delphi zurück auf die griechische Antike der archaischen, klassischen und hellenistischen Zeit.
Von der archaischen Epoche Griechenlands übernimmt das Neue Delphi: Die Anerkennung der Natur (phýsis) und ihrer Ordnung (kósmos). Im frühen Delphi verkörpert von der Erdenmutter Gaia, aus der alles entsprang. Die jüngere delphische Doppelung von Apollon und Dionysos: die im und vom Geist geordnete wilde Menschennatur. Die beiden delphischen Moralprinzipien: Erkennen Dich selbst: nämlich als sterblicher und fehlbarer Mensch . Nichts im Übermaß: Tue nichts, was dem Menschen, der belebten und unbelebten Natur, den Umständen und dir selbst unangemessen ist.
Von der klassischen Epoche Griechenlands übernimmt das Neue Delphi: Athens Erfindung der Demokratie.
Des Sokrates Erfindung der Aufklärung und der argumentativen Kritik. Platons Weiterentwicklung der Vernunft- und Argumentationskultur zu einem Instrument der Erkenntnis der Wahrheit des Seins (idéa, die „Idee“) Platons Gedanken der ontologischen Einheit des Guten, Wahren und Schönen (als Rekonstruktion der kalokagathía). Das Recht der theoretischen Neugier (curiositas) und die Erfindung der Kontemplation als Lebensform (bíos theoretikós) von Aristoteles. Den Gedanken der Wissenschaft (epistéme), d.h. eine Geistestätigkeit, die davon ausgeht, daß der Mensch kraft eigenen, methodischen Denkens in der Lage ist, die Gesamtheit des Seienden zu begreifen und die Wahrheit zu erkennen. Den Gedanken des kulturellen Universalismus, d.h. ein Denken, das zeit- und kulturinvariante und deshalb allgemeingültige Aussagen treffen kann.
Von der hellenistischen Epoche Griechenlands übernimmt das Neue Delphi: Den stoischen Gedanken der Humanität. Des Alexanders Gedanken der Ökumene, d.h. die Einheit bewahrter Vielheiten, und setzt an die Stelle der Multikulturalität die kulturelle Identität und an die Stelle des Pluralismus den kulturellen, humanistischen Universalismus.
Das Neue Delphi fördert die unterschiedlichen Kulturen in ihrer Eigenständigkeit und Besonderheit als Beitrag zur Erweiterung des menschlichen Seins und Daseins, doch muß in der Differenz der Kulturen die Einheit des Humanen gewährleistet sein. So wird kulturelle Identität zur Voraussetzung gegenseitiger persönlicher und kultureller Toleranz im Rahmen von Rechtstaatlichkeit, Demokratie und der Achtung der Menschenrechte.
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