Das Orakel von Delphi
Vom göttlichen Rat zu den Pythischen Spielen
Das Orakel von Delphi, am Rande des Parnass-Gebirges, war bereits im 15. Jahrhundert v. Chr. eine Pilger- und Weissagungsstätte des antiken Griechenland. Lange Zeit galt diese Kultstätte sogar als Mittelpunkt der Welt, symbolisiert durch einen steinernen Omphalos. Dem Mythos zufolge ließ Zeus zwei Adler von je einem Ende der Welt fliegen, die sich in Delphi trafen. Seither habe dieser Ort als Mittelpunkt der Welt gegolten. Menschen befragten das Orakel, um göttlichen Rat vor schwierigen und bedeutenden Entscheidungen einzuholen. Wie die Sage berichtet, vereinigte sich die Erdmutter Gaia mit dem Schlamm, der nach dem Ende des Goldenen Zeitalters von der Welt übrig blieb, und gebar die geflügelte und mit hellseherischen Fähigkeiten begabte Schlange Python. Python lebte an dem Ort, der später Delphi heißen sollte.
Delphi – ein Knotenpunkt aus Spiritualität, Kultur, Wirtschaft und Politik.
Hera, die Frau des Zeus, war eine Enkelin Gaias. Gaia prophezeite ihrer eifersüchtigen Enkelin, dass Leto, ihre Nebenbuhlerin und eine der Geliebten von Zeus, dereinst Zwillinge gebären würde, die größer und stärker als alle ihre Kinder seien. So schickte sie Python los, um Leto zu verschlingen, noch bevor diese ihre Kinder zur Welt bringen konnte. Diese Intrige wurde von Zeus verhindert, und Leto gebar Artemis und Apollon.
Eine der ersten Taten Apollons war die Rache an Python für den Anschlag auf seine Mutter. Er stellte Python bei Delphi und tötete ihn. Apoll bemächtigte sich damit des Orakels, denn durch das vergossene Blut Pythons übertrugen sich dessen hellseherischen Fähigkeiten auf den Ort. Das Orakel wurde das Heiligtum Apolls.
Nach seinem Sieg über Python begab sich Apoll für acht Jahre in freiwillige Verbannung vom Olymp, dem Sitz der Götter, um seine Blutschuld zu sühnen. Als einfacher Hirte des Königs Admet in Thessalien büßte er für seine Tat.
Historisches Zeichen für Versöhnung und Verständigung
Zum Andenken an Apollos Sieg über Python und seine freiwillige Sühne wurden die Delphischen Spiele (auch Pythien, Pythische Spiele) ausgetragen, bei denen sich die griechischen Stämme zum friedlichen, zunächst rein musikalischen Wettstreit trafen. Trotzdem wurden mehrere heilige Kriege um den Besitz des Orakels geführt, bis sich die zwölf Stämme Griechenlands zur Amphiktyonie vereinigten und von da an die Spiele gemeinsam ausrichteten. Die Delphischen Spiele stehen damit für Versöhnung und Verständigung der Menschen.
Das Orakel und die Delphischen Spiele ließen Delphi zu einem wichtigen Knotenpunkt aus Spiritualität, Kultur, Wirtschaft und Politik werden.
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